Studiovisit bei Monja Gentschow

Wir waren erneut zu Besuch bei Monja Gentschow. Unser letzter Studiobesuch liegt schon ein paar Jahre zurück und seitdem ist bei der Berliner Künstlerin einiges passiert. Erst vergangenen Donnerstag erschien das aktuelle ZEIT Magazin mit gleich zwei ihrer Motive auf dem Cover. Passend zum Sommer zieren Sonnenschirme und der Einstieg in einen Pool die Ausgaben.

Die Küchenmodule aus gebürstetem Edelstahl von foldt sind ganz frisch in Studio von Monja eingezogen!

Designed to Stay- Das Cover des The Design Hotels Book ist ebenfalls von Monja

KM: Welche Entscheidung war für deine künstlerische Entwicklung im Rückblick die wichtigste?

MG: Ich glaube, es war weniger eine Entscheidung als ein Moment. Sommer 2020, während meiner Schwangerschaft und im ersten Lockdown, habe ich mich zum ersten Mal an eine großes Leinwand getraut. Davor habe ich fast ausschließlich auf Papier gearbeitet und selten über A3. Die große leere Fläche hat mich eingeschüchtert. Die Bewegungen kommen auf einmal mehr aus dem Arm als aus der Hand, und eine Leinwand reagiert ganz anders. Vermutlich hatte ich auch Respekt davor zu scheitern. Damals habe ich eine Zeit lang in einem Garten hinter dem Schloss Charlottenburg gewohnt und das Gefühl gehabt, dass niemand mitbekommt, was ich mache – irgendwie inklusive mir. Dann habe ich einfach angefangen zu malen. Das erste Bild hat sich kurze Zeit später verkauft. Und danach konnte ich einfach weitermachen. Nicht wegen des Verkaufs, sondern weil ich gemerkt habe: so wollte ich wahrscheinlich schon immer arbeiten.

KM: Deine neuen Arbeiten beschäftigen sich weiterhin mit Wasserreflexionen und einem ähnlichen Farbspektrum. Trotzdem wirken sie anders, vielleicht etwas ruhiger, ernster oder auch abstrakter als die Bilder deiner ersten Einzelausstellung 2022. Verändert sich gerade etwas Grundlegendes in deiner Malerei?

MG: Ja, da verändert sich gerade etwas, aber ich habe das nicht bewusst entschieden. Ich habe es eher kürzlich festgestellt. Über viele Jahre war das Malen für mich eine Art Gedankenurlaub. Gerade in schwierigen Phasen habe ich nie das Schwere gemalt. Ich habe das Leichte gemalt, um mit dem Schweren leben zu können. Pools, Schirme, Wasser, Wäsche im Wind. Ich habe mir Orte gemalt, an denen ich eigentlich sein wollte. In den letzten zwei Jahren ist in meinem Leben vieles ruhiger geworden, und ich bin glücklicher. Jetzt bin ich gespannt, was passiert, wenn ich die Malerei nicht mehr so sehr brauche, um irgendwohin zu fliehen. Und welche Motive dann zu mir kommen.

KM: Welche Rolle spielt der Raum, in dem du malst, für die Bilder, die entstehen? Hat sich daran zuletzt etwas verändert?

MG:Mein Atelier spiegelt eigentlich immer irgendwie wider, was gerade in mir passiert. Also wie ordentlich oder chaotisch es ist, welche Farben ich gerade mag, was herumliegt oder welche Materialien plötzlich wichtig werden. Irgendwann taucht das alles auch in den Bildern auf.

Dieses Jahr habe ich einen richtigen Deep Clean gemacht und aussortiert, umgeräumt und vieles neu gedacht. Motiviert war das vor allem von einer sehr schöne Zusammenarbeit mit foldt. Sie haben maßgefertigte Küchenmodule für mein Atelier gebaut, als Ersatz für die uralte Küche, die vorher fast 15 Jahre dort stand. Ich habe jetzt sogar eingebaute Pinselhalterungen neben dem Waschbecken. Die Oberflächen sind aus gebürstetem Edelstahl und erinnern mich an Wasserreflexionen, mit denen ich mich in meinen Bildern schon lange beschäftige. Das Waschbecken ist in einem Türkis gefertigt, das farblich zu meinen Bildern passt, und die rosafarbene Marmorplatte steht im Dialog mit meiner Küchenwand. Es passt alles perfekt zusammen. Aus der Zusammenarbeit ist erst eine Ausstellung entstanden, bei der wir mein Atelier für ein paar Tage in den foldt-Showroom umgezogen haben. Jetzt sind die Module zu mir ins Studio gezogen und ehrlich gesagt fühlt sich das ein bisschen wie eine neue Ära an.

KM: Zum ersten Mal seit deiner ersten Einzelausstellung gibt es von zwei deiner Werke eine Edition. Warum gerade jetzt?

MG: Ich wurde vom ZEIT Magazin gefragt, zwei Titelbilder zu gestalten. Dafür haben wir zwei Werkreihen ausgewählt, an denen ich schon sehr lange arbeite: die grün-weißen Schirme und die Pools. Für beide Reihen ist jeweils ein neues Bild entstanden, das jetzt auf den Covern der aktuellen Ausgabe zu sehen ist. Da ich in den letzten Jahren immer wieder nach Editionen gefragt wurde, war das für mich der perfekte Anlass, beide Motive erstmals als signierte und nummerierte Fine-Art-Editionen in einer Auflage von 30 herauszubringen.

Hier sieht man die beiden Werke Schirme grün-weiß 5 und Pool 3 im Original, die es nun als Print (60×80 cm auf Hahnemühle Museum Etching 350 g/m²) bei Monja direkt zu bestellen gibt via mg@monjagentschow


KM: Was hast du in diesem Jahr gelernt?

MG: Ich habe gelernt, meiner Intuition mehr zu vertrauen als meinem Perfektionismus. Früher habe ich oft Stunden im Kreis gemalt, verbessert und überarbeitet. Bis ich gemerkt habe, dass ein Bild meist genau dann fertig ist, wenn es außer Kontrolle geraten ist. Ich versuche den Mut zu haben, aufzuhören und es stehen zu lassen. 

Hier findet ihr Monja Gentschow: Instagram / Website

Weiter
Weiter

Zu Besuch bei Viola Beuscher