Zu Besuch bei Viola Beuscher
In Zusammenarbeit mit Wilde&Spith
Dein Studio in Frankfurt wirkt wie eine sehr eigene Welt, fast wie eine eigene kleine Welt hier im Bahnhofsviertel. Wie würdest du die Atmosphäre deines Arbeitsraums beschreiben?
Bevor wir eingezogen sind, war ein Reisebüro in der Fläche. Durch die großzügigen Fenster und das tolle Holz der Rahmen war mir sofort bei der Besichtigung klar, dass diese Räume sehr besonders sind. Weil ich eine sehr ordnungsliebende Person bin und klare Strukturen und Prozesse schätze, ist das Studio auch so geplant und aufgebaut worden. Jeder Arbeitsschritt hat seinen Platz, das Studio ist sehr monochrom gehalten in seiner Farbgebung und dazu gibt es aber hier und da Materialmix durch beispielsweise die Kombination aus unbehandeltem Fichtenholz und italienischen Fliesen in der Küche. Dazu sind alle Schränke außer den Produktregalen verschlossen, damit unsere Keramiken zu 100 % im Vordergrund stehen, egal, in welchem Prozessstadium sie sind. Die Einrichtung ist so geplant dass der Raum Ruhe ausstrahlt und trotz der vielen Arbeitsbereiche, sehr viel Fokus gibt.
Wie wichtig ist dir der Raum selbst für deinen kreativen Prozess, ist er eher Werkstatt oder auch Bühne für deine Arbeit?
Funktionalität ist mir sehr wichtig, und deswegen ist unsere Werkstatt auch darauf ausgelegt, eine Werkstatt zu sein. Aber ich finde, Funktionalität darf auch immer gleichzeitig mit Ästhetik existieren; das ist für mich sogar Prämisse an meinem Arbeitsplatz. An wenigen Orten verbringe ich so viel Zeit wie hier und aus diesem Grund ist das Studio in all seinen Ecken auch immer eine Bühne für unsere Arbeit. Ich weiß natürlich ganz genau dass ich mit meiner Ordnungsliebe nerve, aber ein schöner Ort tut so gut wenn man im so präzise und fokussiert arbeitet wie wir.
Dein Studio ist geprägt von Reduktion und Klarheit, ich wünschte, das hätten wir auch. Wie übersetzt sich diese Haltung in die Einrichtung und Materialwahl?
Durch unsere Produkte erhoffe ich mir, eine Bühne zu geben für das, was sie beherbergen. Egal, ob das Blumen sind, eine Pflanze, ein toller Kaffee oder die perfekte Pasta. Meine Prämisse ist immer, eine Form zu entwickeln, die so zurückhaltend ist, dass sie nicht im Vordergrund stehen will, aber trotzdem so stark ist, dass sie beispielsweise die Pasta darin hervorhebt und sie in ihrer schönsten Version zeigt. Genauso sehe ich es bei der Einrichtung in dem Studio. Das wunderbare Südlicht macht die Räumlichkeiten schon perfekt. Deswegen ist vor allem die zurückhaltende und monochrome Farbwahl so stimmig, weil der Raum dann in seiner Klarheit für sich steht. Ich glaube, ein Raum zeigt einem schon immer sehr genau, was er hat und was man an ihm hervorheben darf. So war es durch die Fenster für mich auch in unserem Studio.
Gibt es ein bestimmtes Möbelstück oder eine Ecke im Studio, die für dich besonders zentral ist?
Ich verbringe sehr viel Zeit an unseren Öfen, weil ich diejenige bin, die die Produkte vor diesem letzten Produktionsschritt des Brennens noch mal anschaut und in den Ofen einräumt. Hier hört man die Vögel im Hinterhof zwitschern, unser Hund flitzt vorbei und ich höre das Surren der Töpferscheiben. Obwohl man an diesem Platz mitten in der Werkstatt steht und auch sehr ansprechbar ist, ist das auch mein Ort der 100%igen Konzentration. Ich halte noch mal jedes Stück in der Hand, bevor ich es für den Brand freigebe und das ist immer wieder ein Moment der absoluten Wertschätzung für das, was wir gemeinsam herstellen. Deswegen stelle ich mir manchmal auch einen Hocker an den Ofen und nehme meinen Laptop mit und arbeite an dieser Stelle.
Du arbeitest mit Ton, einem sehr haptischen Material. Wie beeinflusst das die Art, wie du deinen Raum gestaltest? Und wie oft am Tag musst du dir die Hände eincremen?
Das mixen von verschiedenen Materialien und somit das herstellen von haptische Interaktion ist etwas, was mindestens unterschwellig die Begegnung in unseren Räumlichkeiten beeinflusst. Ich bin davon überzeugt, dass kurze Irritstionen im interior (z.b. unbehandelter Holztisch) dazu führen dass Menschen miteinander sprechen und sich näher kommen. Und weil unser Studio ja nicht nur Produktionsstätte ist, sondern auch ein Ort für Events und Kurse, ist mir das sehr wichtig. Ich möchte hier primär einen Ort der Begegnung herstellen. Und meine Hände, die sind ein großes Thema: definitiv sehr ausgetrocknet, oft entzündet und wirklich pflegeintensiv. Aber das Eincremen der Hände ist auch wie ein Ritual am Anfang und am Ende des Arbeitstages. Vielleicht muss ich irgendwann meine eigene Handcreme entwickeln, so viel wie wir hier verwenden.
Welcher Part an deiner Arbeit macht dir besonders Spaß und welcher nicht?
Das hat sich in den letzten Jahren sehr verändert! Während ich am Anfang vor allem das Arbeiten in der Töpferscheibe über alles geliebt habe, schätze ich mittlerweile einfach das kreative aber auch strategische Arbeiten sehr. Dazu Überlegungen, wie die Firma sich weiterentwickeln kann unenforceable Entwicklung von Visionen, das habe ich für mich dazu gewonnen. Mein Tag ist immer so strukturiert, dass ich von 08:00 bis 13:00 Uhr im Büro bin oder Termine wahrnehme und ab 14:00 Uhr bis in den Abend rein in der Werkstatt bin. Ich liebe die Kombination daraus. Gleichzeitig sehe ich mich herausgefordert durch die Geschwindigkeit der Themen, die ich täglich bearbeite. Ich bin fester Bestandteil unserer Werkstatt und leite gleichzeitig das Unternehmen. Der dadurch entstehende Zeitdruck und das Gefühl, dass man am Ende des Tages nie genug getan hat, ist manchmal nicht einfach zu akzeptieren.
Du bist u. a. bekannt für deine tollen Farben. Wie findest du die perfekten Farbtöne für deine Kollektionen und wie schwer fallen dir die Entscheidungen?
Über nichts denke ich so viel nach wie über Farbkombinationen. Ich stelle mir vor, wie ich verschiedene Farben zueinander lege und überlege mir genau, wie verschiedene Speisen oder Getränke darin wirken. Die Farbauswahl ist definitiv etwas, was ich sehr liebe, aber gleichzeitig auch immer vor mir herschiebe, denn die finale Entscheidung ist oft so schwer! Am Ende entscheidet mein Gefühl und vor allem auch das Kriterium, dass neue Farben immer zu den schon existierenden Farben passen müssen, damit unsere Stammkund*innen es besonders schön in ihrem Zuhause haben, wenn sie neue Stücke kaufen und zu ihrer Sammlung hinzufügen.
Du bist deutschlandweit so gut vernetzt und für viele, die ich kenne, ein großes Vorbild. Welche drei Keramiker*innen sollten wir auf dem Schirm haben?
Hap Ceramics:
Ich möchte jedes einzelne Stück von Maxi in meinem Zuhause haben. Aber als Allererstes einen ihrer Hocker! Dazu veranstaltet sie in einem Kollektiv ganz tolle Events – wir sollten sie alle auf dem Schirm haben!
Tanja Neubert:
Ich liebe Tanjas ruhige Sprache und vor allem, wie bewusst sie verschiedene Tonkörper einsetzt. Ganz sanft und stark!
Marten Herma Anderson:
Wunderbare Objekte, die so aufwendig hergestellt sind, dass sie förmlich nach handwerklicher Liebe schreien! Jedes einzelne Stück ist ein richtiges Interior Piece – ich bin begeistert!
In deinem Studio finden sich seit letztem Jahr die Möbel von Wilde + Spieth. Was hat dich an der Marke und ihrer Designsprache besonders angesprochen?
Die Funktionalität und die Ergonomie beim Sitzen! Nach einem Jahr wirklich unentbehrlich und selbst unser Büroteam, das erstmal kritisch war gegenüber den hölzernen Drehstühlen, möchte nicht mehr wechseln.
Die Entwürfe von Wilde + Spieth, oft inspiriert von Egon Eiermann, stehen für zeitlose, reduzierte Formen – das spiegelt deine eigene Designphilosophie perfekt wider. Ich finde, es wirkt so, als ob die Möbel schon immer hierher gehören. Was schätzt du im täglichen Umgang an den Möbeln?
Die Stapelbarkeit und das geringe Gewicht der Stühle sind für uns sehr wichtig im alltäglichen Gebrauch. Wir können sie super gut hin und her tragen und wer schon mal in einer Töpferei gearbeitet hat, weiß, wie schmutzig es wird. Sie werden jeden Tag gesäubert und es macht ihnen überhaupt nichts aus. Das ist fantastisch!
Der klassische Hocker wirkt fast wie ein Archetyp des Sitzmöbels. Was macht ihn für dich im Studio so besonders?
Die Hocker können einfach herumgeräumt werden und sind überhaupt nicht angegriffen durch die tägliche Säuberung. Das ist für uns neben dem ästhetischen Aspekt natürlich der größte Pluspunkt. Nichts anderes würde an dieser Stelle passen, denn unser Kursraum verwandelt sich einmal die Woche in unseren Showroom. Und dafür müssen auch die Hocker umziehen und gut verstaubar sein.
Und überhaupt, wie viel wird bei euch tatsächlich gesessen am Tag?
Unser Büroteam sitzt natürlich viel auf den Drehhockern. Dazu treffen wir uns im ganzen Team beim Mittagessen und sitzen auf den Barhockern. Außerdem läuft jeden Abend unter der Woche ein Kurs im Studio und da sind die Hocker ebenfalls in Benutzung. Hier wird also viel gesessen, geräumt, verschoben und vielseitig genutzt.
Dein Studio ist zugleich Produktionsort, Ausstellungsfläche, Workshoport und Treffpunkt. Wie habt ihr es geschafft, dass der Raum und die Einrichtung alles mitmachen?
Ich glaube, das Wichtigste ist, dass alles einen Platz hat und dieser Platz am Ende des Tages immer wieder eingenommen wird. Es gibt also eine klare Ordnung im Studio. Dazu haben wir nur Möbel und Interieur, die eine robuste Materialität mitbringen. Denn durch den Feinstaub wird bei uns alles mindestens einmal am Tag feucht gereinigt. Außerdem bin ich ein absoluter Fan von Rollen: Damit wir langfristig körperlich arbeiten können, sind bei uns die meisten Möbelstücke auf Rollen. So können sie einfach verschoben werden und sind leichter beweglich.
Du bist sehr umtriebig und denkst dir immer neue Dinge aus. Auf was können wir uns in den nächsten Monaten freuen?
Es ist verrückt, weil wirklich immer so viel passiert und ich freue mich nach wie vor sehr auf alles, was kommt. Wir werden dieses Jahr endlich an kleinen Interior-Produkten arbeiten und diese zu unserer Produktpalette hinzufügen, die sich bisher eher auf Geschirr konzentriert hat, so werden beispielsweise Lampenschirme Teil unserer festen Kollektion sein.